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Glossar · Grundlagen

Full Canvas

Auch: Ganzeinlage · Vollständig pikierte Einlage · Full Canvassed

Full Canvas bezeichnet ein Sakko, dessen gesamtes Vorderteil von der Schulter bis zum Saum eine vernähte, nicht verklebte Einlage aus Rosshaar, Wolle und Baumwolle enthält. Die Einlage hängt frei zwischen Oberstoff und Futter und gibt dem Sakko Form, Elastizität und ein natürlich rollendes Revers.

Illustration eines Sakkos mit durchgehender Full-Canvas-Einlage von Schulter bis Saum und Detailansicht der pikierten Einlage

Aufbau einer Full-Canvas-Einlage

Die Einlage besteht aus mehreren Lagen. Die Basis ist ein Gewebe aus Wolle oder Baumwolle mit Rosshaar im Schuss, das von der Schulter bis zum unteren Saum des Vorderteils reicht. Im Brustbereich liegt darüber ein zusätzliches Bruststück, oft ebenfalls mit Rosshaar, das die Brust modelliert. Ein weicher Filz oder Flanell deckt das Ganze ab, damit sich das Rosshaar nicht durch den Oberstoff abzeichnet.

Die Einlage wird nur an wenigen Stellen mit dem Oberstoff verbunden: entlang der Vorderkante, am Revers und an der Schulter. Im Revers wird sie mit Pikierstichen befestigt, die dem Revers seine Rundung geben. Dazwischen schwebt sie frei, man spricht von einer «floating canvas».

Vorteile gegenüber geklebten Sakkos

Ein Full-Canvas-Sakko bewegt sich mit dem Körper. Weil Oberstoff und Einlage nicht verklebt sind, kann der Stoff atmen und fällt weicher. Mit Körperwärme und Feuchtigkeit formt sich die Einlage im Laufe der Monate leicht an die Brust des Trägers an. Viele beschreiben das so, dass ein solches Sakko mit dem Tragen besser wird.

Auch die Haltbarkeit ist ein Argument. Klebeeinlagen können sich nach mehreren chemischen Reinigungen oder bei Hitze lösen und bilden Blasen, die sich nicht reparieren lassen. Eine vernähte Einlage hat dieses Problem nicht. Das Revers behält zudem seine dreidimensionale Rolle, statt flach gepresst auszusehen. Ein Nachteil sind Kosten und Fertigungszeit, weil viel Handarbeit nötig ist.

So erkennen Sie Full Canvas

Der einfachste Test ist der Kneif-Test: Fassen Sie das Vorderteil unterhalb des untersten Knopflochs mit Daumen und Zeigefinger und ziehen Sie die Stofflagen leicht auseinander. Spüren Sie zwischen Oberstoff und Futter eine dritte, lose Lage, ist dort eine Einlage vernäht. Bei Half Canvas finden Sie diese Lage nur im Brustbereich, darunter ist der Stoff verklebt.

Ein zweiter Hinweis ist das Revers. Bei Full Canvas wölbt es sich in einem weichen Bogen von der Brust zum Kragen. Ein geklebtes Revers liegt dagegen flach und zeigt oft eine scharfe Bügelkante. Fragen Sie im Zweifel direkt nach: Ein seriöser Anbieter kann die Konstruktion genau erklären.

Full Canvas bei The Sartorialist

Bei The Sartorialist werden alle Anzüge mit Full Canvas gefertigt, unabhängig vom gewählten Stoff oder Preis. Das heisst, auch der Einstiegsanzug ab CHF 1’690 hat dieselbe durchgehende Einlage wie ein Anzug aus einem teuren Loro-Piana-Tuch. Gefertigt wird zu 100 % in Italien.

Im Konfigurator «Styles & Options» lässt sich zudem zwischen einer traditionellen, etwas strukturierteren Einlage und einer weicheren Variante unterscheiden. Die traditionelle Einlage passt gut zu Business-Anzügen in festen Kammgarnen, die weichere zu Sommerstoffen und lässigen Sakkos mit natürlicher Schulter. Pflegetipp: Hängen Sie das Sakko nach dem Tragen auf einen breiten, geformten Bügel, damit sich die Einlage in ihrer Form erholt.

Häufige Fragen zu «Full Canvas»

Was ist besser: Full Canvas oder Half Canvas?

Full Canvas bietet mehr Formstabilität im unteren Vorderteil und einen natürlicheren Fall über die ganze Länge. Half Canvas ist leichter und günstiger, verklebt aber den unteren Bereich. Für Anzüge, die häufig getragen werden, ist Full Canvas die langlebigere Wahl.

Ist Full Canvas im Sommer zu warm?

Nein, die Einlage ist dünn und atmungsaktiv. Für den Sommer empfiehlt sich eine weichere, leichtere Einlage zusammen mit einem offenen Stoff und einem Halbfutter.

Darf man ein Full-Canvas-Sakko chemisch reinigen?

Ja, aber selten, ein- bis zweimal pro Jahr reicht meist. Häufiges Reinigen strapaziert jede Wollfaser. Besser sind Ausbürsten, Lüften und gezieltes Dämpfen.

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