Rosshaar-Einlage
Auch: Rosshaar-Canvas · Horsehair Canvas · Rosshaareinlage
Eine Rosshaar-Einlage ist ein Zwischenfutter im Vorderteil eines Sakkos, in dessen Gewebe Haare aus dem Schweif von Pferden eingewebt sind. Das Rosshaar ist elastisch und springt nach dem Biegen in die Ausgangsform zurück. Dadurch gibt es der Brust Volumen und dem Revers eine dauerhafte, weiche Rollung.

Material und Herkunft
Für die Einlage werden Schweifhaare von Pferden verwendet, weil sie lang, kräftig und federnd sind. Sie werden gereinigt, sortiert und als Schussfaden in ein Grundgewebe eingewebt, dessen Kette meist aus Baumwolle, Wolle oder einer Mischung besteht. So entsteht ein Stoff, der in der Länge stabil und in der Breite elastisch ist.
Rosshaar wird seit Jahrhunderten in der Schneiderei genutzt, früher auch für Polster und Matratzen. In vielen Einlagen wird zusätzlich Ziegenhaar oder Kamelhaar beigemischt, das ähnlich federnd wirkt. Reine Kunstfaser-Einlagen gibt es ebenfalls, sie erreichen aber nicht dieselbe Kombination aus Sprungkraft und Formbarkeit unter Dampf und Hitze.
Funktion im Sakko
Die Rosshaar-Einlage ist das Gerüst des Sakkos. Sie verhindert, dass der Oberstoff an der Brust einsinkt oder Falten wirft, wenn sich der Träger bewegt. Gleichzeitig ist sie flexibel genug, um Armbewegungen und Atmung mitzumachen. Weil Rosshaar auf Dampf und Wärme reagiert, kann der Schneider die Einlage beim Bügeln in eine dreidimensionale Form bringen, die einer gewölbten Brust entspricht.
Schichten aus Rosshaar und Filz werden je nach Stil unterschiedlich dick aufgebaut. Ein englisches Sakko hat oft ein kräftiges Bruststück für eine markante Silhouette, ein neapolitanisches Sakko eine minimale Einlage für einen weichen, fast hemdartigen Fall.
Pikieren: wie die Einlage befestigt wird
Damit das Revers seine Rollung bekommt, wird die Einlage mit dem Oberstoff durch Pikierstiche verbunden. Das sind kleine, diagonale Stiche in dichten Reihen, die nur die Einlage und eine Faser des Oberstoffs fassen, sodass sie aussen unsichtbar bleiben. Während des Nähens hält der Schneider das Revers über die Hand gebogen. Dadurch wird die Einlage leicht kürzer gespannt als der Oberstoff und das Revers rollt nach aussen.
Von Hand pikierte Revers sind besonders lebendig, weil der Schneider Spannung und Stichdichte fortlaufend anpasst. Maschinell pikierte Revers sind gleichmässiger. Beide Verfahren unterscheiden sich deutlich von einem verklebten Revers, das flach bleibt.
Pflege eines Sakkos mit Rosshaar-Einlage
Hängen Sie das Sakko nach dem Tragen auf einen breiten Holzbügel, der die Schulter ganz ausfüllt. Ein dünner Drahtbügel drückt Einlage und Schulterpolster ein und hinterlässt Dellen. Lassen Sie das Sakko mindestens 24 Stunden ruhen, damit sich Einlage und Wollfasern entspannen können.
Falten entfernen Sie am besten mit Dampf, ohne das Bügeleisen direkt auf die Brust zu drücken. Den Kragen und das Revers sollten Sie nie flach bügeln, sonst verliert das Revers seine Rollung. Verzichten Sie auf häufige chemische Reinigungen: Die Lösungsmittel greifen Wolle und Rosshaar an. Bei Flecken genügt oft punktuelles Reinigen.
Häufige Fragen zu «Rosshaar-Einlage»
Kratzt eine Rosshaar-Einlage?
Nein. Die Einlage liegt zwischen Oberstoff und Futter und ist zusätzlich mit Filz oder Flanell abgedeckt. Mit der Haut kommt das Rosshaar nicht in Kontakt.
Ist Rosshaar tierfreundlich gewonnen?
Rosshaar für Einlagen stammt in der Regel aus dem Schweif und wird geschnitten, ohne das Tier zu verletzen. Wie bei allen tierischen Materialien lohnt es sich, bei Bedarf nach der Herkunft zu fragen.
Hat jedes Full-Canvas-Sakko eine Rosshaar-Einlage?
Meist ja, zumindest im Bruststück. Manche Einlagen kombinieren Rosshaar mit Ziegen- oder Kamelhaar, Wolle und Baumwolle. Entscheidend ist, dass die Einlage vernäht und nicht verklebt ist.






