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Glossar · Grundlagen

Bespoke

Auch: Bespoke Tailoring · Vollmass · Sartoria

Bespoke bezeichnet die höchste Stufe der Massschneiderei: Für jeden Kunden zeichnet der Zuschneider ein komplett eigenes Schnittmuster von Hand, ohne Grundschnitt. Der Anzug wird über mehrere Anproben am halbfertigen Stück entwickelt und grösstenteils von Hand genäht.

Schneiderhände schneiden mit einer grossen Schneiderschere grauen Anzugstoff entlang einer Kreidelinie zu

Herkunft des Begriffs

Das englische Wort «bespoke» leitet sich von «to bespeak» ab, also etwas bestellen oder reservieren. Im 17. und 18. Jahrhundert bedeutete es in Londoner Schneiderwerkstätten, dass ein Stoffballen für einen bestimmten Kunden «besprochen» und damit reserviert war. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung für Kleidung, die vollständig für eine Person konstruiert wird.

In Grossbritannien hat die Werbeaufsicht 2008 in einem viel beachteten Fall entschieden, dass «bespoke» auch für Anzüge verwendet werden darf, deren Schnitt nicht komplett von Hand entsteht. Seither ist der Begriff weniger trennscharf. Unter Fachleuten gilt aber weiterhin: Echtes Bespoke bedeutet eigenes Schnittmuster, mehrere Anproben und überwiegend Handarbeit.

Ablauf eines Bespoke-Auftrags

Zuerst nimmt der Zuschneider Mass und beobachtet Haltung, Gang und Proportionen. Auf dieser Grundlage zeichnet er das Schnittmuster auf Papier oder Karton. Der Stoff wird zugeschnitten und als sogenannte Baste-Anprobe nur lose mit weissem Heftfaden zusammengeheftet, oft noch ohne Ärmel oder Kragen.

Bei der ersten Anprobe wird mit Kreide und Nadeln korrigiert, das Stück anschliessend wieder aufgetrennt und neu zugeschnitten. Es folgen eine Vorwärts-Anprobe, bei der das Sakko schon weitgehend fertig ist, und eine Schlussanprobe. Typisch sind zwei bis drei Anproben, bei schwierigen Figuren mehr. Insgesamt fliessen in ein Bespoke-Sakko oft 50 Stunden Handarbeit und mehr, die Lieferzeit beträgt meist mehrere Monate.

Woran man Bespoke erkennt

Die Unterschiede liegen oft im Inneren. Das Revers ist mit Hunderten kleiner Pikierstiche auf die Einlage genäht und rollt dadurch dreidimensional. Ärmel sind von Hand eingesetzt, die Ärmelkugel hat oft etwas Mehrweite, die man als leichte Kräuselung sieht. Knopflöcher sind handgenäht, häufig sind die Ärmelknöpfe funktionsfähig.

Auch der Kragen wird von Hand angesetzt und unten mit einem Filz belegt. Diese Merkmale allein beweisen aber noch kein Bespoke, denn viele hochwertige Made-to-Measure-Anzüge enthalten ebenfalls Handarbeit. Das eigentliche Kriterium bleibt das individuell gezeichnete Schnittmuster und die Entwicklung über mehrere Anproben.

Für wen sich Bespoke eignet

Bespoke ist dann sinnvoll, wenn der Körper stark von gängigen Proportionen abweicht, etwa bei ausgeprägter Asymmetrie, sehr kräftiger Statur oder deutlicher Haltungsbesonderheit. Auch wer eine ganz eigene Silhouette wünscht, die kein Grundschnitt abbildet, findet hier die grösste Freiheit.

Der Preis dafür sind Zeit und Kosten: mehrere Termine über Monate und ein Vielfaches des Aufwands eines Made-to-Measure-Anzugs. Für viele Männer liefert ein sorgfältig gemessener Made-to-Measure-Anzug mit Full-Canvas-Einlage eine Passform, die im Alltag kaum von Bespoke zu unterscheiden ist. Ein ehrliches Beratungsgespräch klärt, welches Verfahren zur eigenen Figur passt.

Häufige Fragen zu «Bespoke»

Was ist der Unterschied zwischen Bespoke und Made to Measure?

Bei Bespoke wird für jeden Kunden ein komplett neues Schnittmuster gezeichnet und über mehrere Anproben entwickelt. Made to Measure passt einen bestehenden Grundschnitt an die Masse an. Beide ergeben einen Massanzug, Bespoke ist aufwendiger und dauert länger.

Wie lange dauert ein Bespoke-Anzug?

In der Regel mehrere Monate, weil zwischen den zwei bis drei Anproben jeweils Wochen liegen. Beim ersten Auftrag dauert es meist am längsten, weil das Schnittmuster erst entsteht.

Ist jeder handgenähte Anzug Bespoke?

Nein. Handarbeit beschreibt die Verarbeitung, Bespoke die Schnitterstellung. Auch Made-to-Measure-Anzüge können viele handgenähte Details haben.

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