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Glossar · Sakko

Rollino-Schulter

Auch: Rollino · Roped Shoulder · Spalla con rollino · Erhöhter Ärmelkopf

Eine Rollino-Schulter (englisch Roped Shoulder) ist eine Sakkoschulter, bei der der Ärmelkopf durch einen eingenähten Watte- oder Filzstreifen, den Rollino, leicht über die Schulterlinie angehoben wird. So entsteht am Übergang von Schulter zu Ärmel ein kleiner Wulst, der dem Sakko eine markante, strukturierte Silhouette gibt.

Zeichnung einer Sakkoschulter mit Rollino, der Ärmelkopf steht als leichter Wulst über der Schulterlinie

Was ist der Rollino?

Rollino ist italienisch und bedeutet «kleine Rolle». Gemeint ist ein Streifen aus Watte, Filz oder gerolltem Canvas, der beim Einsetzen des Ärmels in die obere Rundung des Armlochs genäht wird. Er stützt den Ärmelkopf von innen, sodass dieser etwas höher steht als das Schulterende des Vorderteils.

Das Ergebnis ist eine sichtbare, leichte Erhebung an der Schulterkante, die im Profil wie ein Absatz wirkt. Je nach Dicke des Streifens fällt sie dezent oder ausgeprägt aus, meist liegt sie im Bereich weniger Millimeter. Anders als bei der neapolitanischen Schulter liegt die Nahtzugabe hier zum Ärmel hin und wird nach oben gedrückt.

Herkunft

Die erhöhte Schulter hat ihre Wurzeln in der Uniform- und Reitkleidung, bei der eine klare, aufrechte Schulterlinie Haltung und Autorität ausdrücken sollte. Die Londoner Savile Row übernahm diese Bauweise für Anzüge mit strukturierter Silhouette, oft in Kombination mit einer leicht konkaven Schulterlinie.

Auch in Rom und Mailand ist die Schulter mit Rollino verbreitet. Dort wird sie mit einer schlankeren Polsterung kombiniert, sodass die Schulter elegant und präzise wirkt, ohne militärisch steif zu sein. Neapel ging den umgekehrten Weg und verzichtete auf Struktur. Die Rollino-Schulter steht damit am anderen Ende der Skala als die weiche Hemdschulter.

Wirkung und Statur

Der erhöhte Ärmelkopf verbreitert optisch die Schultern und betont den Übergang zum Arm. Dadurch wirkt der Oberkörper aufrechter und die Taille schmaler. Bei Männern mit schmalen oder abfallenden Schultern kann die Rollino-Schulter so eine ausgewogenere Proportion schaffen.

Auch für Zweireiher und formelle Anzüge ist sie eine gute Wahl, weil die kräftige Front eine ebenso klare Schulter verlangt. Bei sehr breiten, muskulösen Schultern sollte der Rollino dagegen dezent bleiben, sonst wirkt der Oberkörper übermässig breit. Die Wahl hängt also nicht nur vom Geschmack ab, sondern von der Ausgangslage des Körpers, die beim Massnehmen erfasst wird.

Stoffe und Anlässe

Die Rollino-Schulter entfaltet ihre Wirkung am besten in Stoffen, die Form halten: Kammgarne ab etwa 260 g/m², Flanell, kräftige Tweeds und dichte Gabardine. In sehr leichten Leinen- oder Seidenstoffen kann der Wulst sich abzeichnen und unruhig wirken.

Sie passt zu Business-Anzügen, zu Zweireihern, zum Smoking und zu Hochzeitsanzügen, also überall dort, wo eine klare, formelle Silhouette gewünscht ist. Für Kombinationssakkos ist sie ebenfalls möglich, etwa an einem Blazer mit Metallknöpfen. Weniger stimmig ist sie mit aufgesetzten Taschen und ungefüttertem Rücken, weil sich Strenge und Lässigkeit dann widersprechen.

Die Rollino-Schulter beim Massanzug

Im Konfigurator «Styles & Options» von The Sartorialist ist «Rollino» eine von drei Schulteroptionen, neben der weichen und der klassischen Schulter. Die klassische Schulter hat ein mittleres Polster und eine glatte Linie; die Rollino-Variante kombiniert ein stärkeres Polster mit einem kräftigen Ärmelfisch und einem ausgeprägt erhöhten Ärmelansatz, leicht pagodenförmig.

Beim Massanzug wird die Schulter auf die tatsächliche Schulterneigung abgestimmt. Hängt eine Schulter tiefer als die andere, gleicht der Schneider das über Polsterung und Schnitt aus, damit die Rollino-Linie auf beiden Seiten gleich hoch steht. Da alle Anzüge mit Full Canvas gefertigt werden, verbindet sich die strukturierte Schulter mit einer Brust, die sich dem Körper anpasst.

Häufige Fragen zu «Rollino-Schulter»

Was ist der Unterschied zwischen Rollino und neapolitanischer Schulter?

Bei der Rollino-Schulter wird der Ärmelkopf durch einen Wattestreifen angehoben, es entsteht ein Wulst und eine strukturierte Linie. Die neapolitanische Schulter hat kein Polster und einen gekräuselten Ärmelkopf, der weich in den Arm übergeht.

Für wen eignet sich eine Rollino-Schulter?

Besonders für Männer mit schmalen oder abfallenden Schultern und für formelle Anzüge wie Zweireiher und Smoking. Bei sehr breiten Schultern sollte der Rollino dezent ausfallen.

Ist eine Rollino-Schulter unbequem?

Nicht, wenn das Armloch korrekt sitzt. Die Bewegungsfreiheit hängt vor allem von Armlochhöhe und Ärmelschnitt ab, weniger vom Rollino selbst.

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