Zweireiher
Auch: Double Breasted · Doppelreiher · Doppiopetto
Ein Zweireiher ist ein Sakko, dessen Vorderteile sich weit überlappen und das zwei parallele, senkrechte Knopfreihen hat. Die gängigste Form ist der 6x2: sechs Knöpfe, von denen zwei schliessbar sind. Zweireiher werden fast immer mit steigendem Revers gefertigt und im Stehen stets geschlossen getragen.

Aufbau und Knopfbezeichnungen
Beim Zweireiher überlappen sich die Vorderteile um etwa 10 bis 15 cm. Dadurch entstehen zwei Knopfreihen, die symmetrisch zur Körpermitte liegen. Die Bezeichnung «6x2» bedeutet: insgesamt sechs Knöpfe, davon zwei, die tatsächlich in ein Knopfloch geschlossen werden können. Bei «4x2» sind es vier Knöpfe, zwei davon schliessbar, bei «6x1» sechs Knöpfe mit einem schliessbaren.
Zusätzlich hat der Zweireiher innen einen verdeckten Halteknopf, den sogenannten Jigger-Knopf. Er hält das untere Vorderteil auf der Innenseite fest, damit es nicht durchhängt. Die oberen beiden Knöpfe beim 6x2 sind rein dekorativ und stehen meist etwas weiter auseinander als die unteren, was die Schultern breiter wirken lässt.
Geschichte des Zweireihers
Der Zweireiher hat seine Wurzeln in Marine- und Militärjacken des 19. Jahrhunderts, etwa der Reefer-Jacke der britischen Marine. Die doppelte Überlappung schützte vor Wind und Kälte und erlaubte es, die Jacke je nach Windrichtung auf beide Seiten zu knöpfen.
In den 1930er- und 1940er-Jahren erlebte der Zweireiher seine grosse Zeit als Businessanzug, mit breiten Schultern und kräftigen Revers. Nach einer Phase der Zurückhaltung kehrte er in den 1980er-Jahren mit sehr weitem Schnitt zurück. Heute sieht man ihn wieder häufiger, meist schlanker geschnitten, mit weicherer Schulter und kürzerer Länge. Besonders die italienische Schneiderei hat diese leichtere Interpretation geprägt.
Wie man einen Zweireiher trägt
Ein Zweireiher wird im Stehen immer geschlossen getragen. Offen hängen die breiten Vorderteile unruhig seitlich herunter. Beim 6x2 schliesst man den mittleren Knopf, also den oberen der beiden schliessbaren. Der untere Knopf darf geöffnet bleiben, der innere Halteknopf wird immer geschlossen. Beim 6x1 ist nur der untere schliessbar und wird entsprechend geknöpft.
Im Sitzen kann man den Zweireiher öffnen, wenn er spannt. Wegen der Überlappung ist das aber seltener nötig als beim Einreiher. Ein Zweireiher hat fast immer ein steigendes Revers, also mit nach oben zeigenden Spitzen. Ein fallendes Revers am Zweireiher ist ungewöhnlich und wirkt bewusst eigenwillig.
Für welche Figur und welchen Anlass
Der Zweireiher betont die Horizontale und baut Volumen im Oberkörper auf. Grosse und schlanke Männer profitieren davon besonders, weil der Schnitt Breite gibt. Bei kleineren oder kräftigeren Männern kommt es auf die Details an: ein schlanker Schnitt, eine eher kurze Länge und ein 6x2 mit eng gesetzten Knopfreihen strecken die Silhouette.
Anlässe gibt es viele. In Marineblau oder Anthrazit mit Nadelstreifen ist der Zweireiher ein starker Businessanzug, in Hellgrau oder Beige ein eleganter Hochzeitsanzug, als Blazer ein Klassiker zur grauen Hose. Im Konfigurator von The Sartorialist stehen die Varianten 6x2 und 4x2 zur Auswahl, jeweils mit steigendem Revers in verschiedenen Breiten.
Häufige Fragen zu «Zweireiher»
Welche Knöpfe schliesst man beim Zweireiher?
Beim 6x2 den mittleren Knopf, also den oberen der beiden schliessbaren, sowie den inneren Halteknopf. Der untere Knopf ist optional. Im Stehen bleibt ein Zweireiher immer geschlossen.
Was bedeutet 6x2 beim Zweireiher?
Das Sakko hat sechs sichtbare Knöpfe, von denen zwei in ein Knopfloch geschlossen werden können. Die restlichen vier sind dekorativ.
Steht ein Zweireiher auch kleinen Männern?
Ja, wenn der Schnitt angepasst wird: schlank, nicht zu lang, mit eng gesetzten Knopfreihen und einem nicht zu breiten Revers. Beim Massanzug lassen sich diese Proportionen gezielt bestimmen.






