Weste
Auch: Gilet · Anzugweste · Waistcoat · Panciotto
Eine Weste ist ein ärmelloses, eng anliegendes Kleidungsstück, das über dem Hemd und unter dem Sakko getragen wird. Zum Anzug ist sie meist aus demselben Stoff wie Sakko und Hose und macht ihn zum Dreiteiler. Der unterste Knopf einer einreihigen Weste bleibt offen.

Herkunft der Weste
Die Weste geht auf das 17. Jahrhundert zurück, als der englische König Charles II. 1666 eine neue Hofgarderobe aus Rock, Weste und Kniehose einführte. Damals reichten Westen bis zu den Knien und hatten Ärmel. Über die Jahrhunderte wurden sie kürzer und schmaler, bis im 19. Jahrhundert die heutige Form entstand: ärmellos, auf Taillenhöhe endend, vorne aus dem Anzugstoff, hinten aus Futter.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte die Weste zum normalen Anzug. Mit der Zentralheizung und leichteren Stoffen verlor sie an Bedeutung, ist heute aber vor allem bei Hochzeiten, im Winter und bei Liebhabern klassischer Kleidung wieder sehr gefragt.
Schnitt und Knöpfe
Die klassische Anzugweste ist einreihig mit fünf oder sechs Knöpfen und vorne spitz auslaufenden Ecken. Mit fünf Knöpfen ist der Ausschnitt etwas tiefer und die Krawatte zeigt sich mehr, mit sechs wirkt die Weste geschlossener. Zweireihige Westen mit sechs oder acht Knöpfen sind formeller und enden vorne gerade. Varianten mit Revers oder Schalkragen geben zusätzliche Tiefe.
Eine Besonderheit ist die Hufeisen-Weste mit tiefem, rundem Ausschnitt, die vor allem zum Frack oder zur Abendgarderobe gehört. Für Taschen gibt es zwei oder vier Paspeltaschen. Im Konfigurator «Styles & Options» lassen sich all diese Formen sowie Kantensteppungen und handgenähte Knopflöcher kombinieren.
Die wichtigsten Tragregeln
Erstens: Bei einer einreihigen Weste bleibt der unterste Knopf offen. Der Brauch wird gern dem englischen König Edward VII. zugeschrieben, praktisch ist er auch, denn viele Westen sind unten so geschnitten, dass sie geschlossen spannen würden. Zweireihige Westen werden dagegen ganz geknöpft.
Zweitens: Die Weste muss den Hosenbund vollständig bedecken. Zwischen Weste und Hose darf kein Streifen Hemd sichtbar sein, auch nicht, wenn man die Arme hebt. Das gelingt am besten mit einer etwas höher geschnittenen Hose und ohne Gürtel, also mit Seitenregulierern oder Hosenträgern.
Drittens: Die Weste sitzt anliegend, aber nicht spannend. Querfalten über dem Bauch zeigen, dass sie zu eng ist.
Rückenteil und Passform beim Mass
Die Rückseite einer Anzugweste ist meist aus Futterstoff gearbeitet. Das hält sie leicht, und unter dem Sakko ist sie ohnehin nicht zu sehen. Ein verstellbarer Riegel mit Schnalle im Rücken erlaubt eine Feinanpassung. Wer die Weste auch ohne Sakko tragen möchte, etwa an einem warmen Hochzeitsabend, wählt einen Rücken aus Oberstoff, der edler aussieht.
Beim Massanzug wird die Weste nach eigenen Massen für Brust, Taille und Länge geschnitten und auf die Leibhöhe der Hose abgestimmt. So sitzt sie im Stehen und im Sitzen ohne Spalt zum Bund. Bei The Sartorialist kann jede Weste aus demselben Stoff wie der Anzug oder bewusst kontrastierend bestellt werden.
Häufige Fragen zu «Weste»
Warum bleibt der unterste Westenknopf offen?
Das ist eine alte Konvention, die meist auf König Edward VII. zurückgeführt wird. Heute sind einreihige Westen so geschnitten, dass sie mit offenem unterstem Knopf am besten sitzen. Zweireihige Westen werden vollständig geschlossen.
Kann man eine Weste ohne Sakko tragen?
Ja, vor allem zu später Stunde bei Hochzeiten oder in der Freizeit. Dann wirkt eine Weste mit Rücken aus Oberstoff deutlich besser als eine mit Futterrücken.
Muss die Weste aus demselben Stoff wie der Anzug sein?
Nicht zwingend. Beim klassischen Dreiteiler ja, doch eine Weste in Kontrastfarbe oder aus anderem Stoff, etwa Flanell zu Kammgarn oder Beige zu Blau, ist eine bewusste und elegante Variante.






