Hosenträger
Auch: Braces · Suspenders · Bretelle
Hosenträger sind zwei über die Schultern geführte Bänder, die die Hose am Bund halten und damit den Gürtel ersetzen. Zum Anzug werden sie klassisch an Knöpfen innen am Hosenbund befestigt, nicht mit Clips. Sie lassen die Hose gleichmässig und faltenfrei fallen.

Geschichte der Hosenträger
Bis ins frühe 20. Jahrhundert waren Hosenträger die normale Art, eine Hose zu halten. Hosen wurden hoch an der Taille getragen und hatten keine Gürtelschlaufen. In London entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein eigenes Handwerk für sogenannte «braces» aus Ripsband, Leder und Seide. Der Gürtel setzte sich erst durch, als Hosen tiefer auf der Hüfte sassen und Uniformen den Gürtel populär machten.
In der klassischen Herrenschneiderei sind Hosenträger nie verschwunden. Zu Smoking und Frack gehören sie bis heute zur Grundausstattung, und viele Liebhaber des Massanzugs tragen sie auch im Alltag, weil die Hose damit spürbar besser fällt.
Warum Hosenträger besser halten als ein Gürtel
Ein Gürtel muss die Hose durch Druck auf den Bauch festhalten. Er sitzt deshalb eng, und sobald man sich bewegt, rutscht die Hose ein wenig, das Hemd wird herausgezogen und der Bund kippt. Hosenträger hängen die Hose dagegen an den Schultern auf. Der Bund kann etwas lockerer sein, die Hose bleibt stets auf derselben Höhe, und die Bügelfalte läuft vorne gerade bis zum Schuh.
Das ist besonders bei höher geschnittenen Hosen mit Bundfalten ein Vorteil, denn die Falten liegen ruhig und öffnen sich gleichmässig. Auch der Hosenbruch bleibt den ganzen Tag gleich, weil die Länge nicht wandert. Für Männer mit Bauch sind Hosenträger oft die bequemste Lösung.
Knöpfe oder Clips, Y oder X
Zum Anzug gehören Hosenträger mit Lederlaschen, die an Knöpfen befestigt werden. Üblich sind sechs Knöpfe innen am Bund: je zwei vorne links und rechts, zwei hinten nahe der Mittelnaht. Clips sind praktisch für Hosen ohne Knöpfe, beissen sich aber in den Stoff und können ihn auf Dauer beschädigen. Sie gelten deshalb als Notlösung.
Beim Rücken gibt es zwei Formen: Der Y-Rücken vereint beide Bänder in einem Lederstück zwischen den Schulterblättern und liegt flach, der X-Rücken kreuzt die Bänder und verteilt den Zug breiter. Für Anzughosen mit erhöhtem Rückenteil, dem sogenannten Fischschwanzbund, ist der Y-Rücken die klassische Wahl. Elastische Bänder bieten Bewegungsfreiheit, nicht elastisches Ripsband hält genauer.
Länge richtig einstellen
Hosenträger werden so eingestellt, dass die Hose ohne Zug in der natürlichen Taille hängt, also etwa auf Höhe des Bauchnabels oder knapp darunter. Ziehen sie zu stark, rutscht der Schritt hoch und die Hose wird unbequem. Sind sie zu lang, sackt die Hose ab und der Bruch wird zu tief.
Die Verstellschnallen sitzen idealerweise auf Brusthöhe, damit sie unter dem Sakko nicht drücken. Bei einem Massanzug wird die Leibhöhe der Hose von Anfang an auf Hosenträger ausgelegt: Eine leicht höhere Leibhöhe und ein hinten etwas höher gezogener Bund lassen die Bänder ohne Knick über die Schultern laufen.
Stil: wann und wozu tragen
Hosenträger sind Unterwäsche im weiteren Sinne. Klassisch zeigt man sie nicht offen, sondern trägt sie unter Sakko oder Weste. Wer das Sakko im Büro auszieht, kann sie zeigen, sollte dann aber dezente Farben wählen, etwa Marine, Bordeaux oder ein feines Streifenmuster.
Niemals kombiniert man Hosenträger und Gürtel. Das ist doppelt und gilt als Stilfehler. Zum Smoking passen schwarze oder weisse Hosenträger aus Seide oder Ripsband, zum Frack immer weisse. Bei einem Dreiteiler verschwinden die Hosenträger unter der Weste, und die Hose sitzt den ganzen Abend perfekt. Zu Jeans oder Chinos sind sie ein Freizeitstil, der mit einer Anzughose wenig gemeinsam hat.
Häufige Fragen zu «Hosenträger»
Trägt man Hosenträger mit Knöpfen oder mit Clips?
Zum Anzug klassisch mit Knöpfen. Sie halten sicherer und beschädigen den Stoff nicht. Clips sind eine Notlösung für Hosen ohne Hosenträgerknöpfe und eher bei Freizeitkleidung üblich.
Kann man Hosenträger und Gürtel zusammen tragen?
Nein. Beides zusammen ist doppelt und gilt als klarer Stilfehler. Hosen für Hosenträger haben idealerweise gar keine Gürtelschlaufen, sondern Seitenregulierer oder einen glatten Bund.
Zeigt man Hosenträger oder trägt man sie verdeckt?
Klassisch werden sie unter Sakko oder Weste getragen. Wer das Sakko ablegt, darf sie zeigen, sollte dann aber ruhige Farben und Knöpfe statt Clips wählen.






