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Glossar · Sakko

Aufgesetzte Tasche

Auch: Patch Pocket · Tasca applicata · Aufgenähte Tasche

Eine aufgesetzte Tasche (englisch Patch Pocket) ist eine Tasche, die als separates Stoffstück von aussen auf das Sakko genäht wird, statt in den Stoff eingeschnitten zu sein. Sie ist die lässigste Taschenform und typisch für Kombinationssakkos, Sommersakkos und neapolitanische Schnitte.

Zeichnung eines Sakkos mit aufgesetzten Hüfttaschen und aufgesetzter Brusttasche mit abgerundeten Ecken

Aufbau

Für eine aufgesetzte Tasche wird ein Stück Oberstoff in Taschenform zugeschnitten, an den Rändern eingeschlagen und auf das Vorderteil genäht. Oben bleibt sie offen, die obere Kante ist meist verstärkt und leicht umgeschlagen. Die Ecken unten sind abgerundet, was Schmutzansammlungen verhindert und weicher wirkt; eckige Varianten sind seltener und militärischer.

Die Tasche misst meist 16 bis 18 cm in der Breite und 17 bis 19 cm in der Höhe. Bei hochwertiger Verarbeitung wird sie von Hand aufgenäht und die Stiche bleiben auf der Aussenseite kaum sichtbar. Wichtig ist eine leichte Mehrweite, damit die Tasche sich der Hüftrundung anpasst und nicht flach gespannt wirkt.

Herkunft

Aufgesetzte Taschen sind die einfachste Art, einem Kleidungsstück Taschen zu geben, und waren deshalb früh an Arbeits-, Jagd- und Militärkleidung verbreitet. Im 19. Jahrhundert fanden sie über die sportliche Landkleidung den Weg an die Herrenjacke, etwa an Norfolk-Jacken und an das Sakko für Sommerfrische und Freizeit.

Im 20. Jahrhundert wurden sie zum Erkennungszeichen von zwei Stilen: dem amerikanischen Ivy-Style mit Tweed- und Seersucker-Sakkos und der neapolitanischen Schneiderei, die aufgesetzte Taschen mit weicher Schulter und Barchetta-Brusttasche kombiniert. In Neapel werden die Taschen oft leicht bauchig geschnitten, was man dort «a pignata» nennt, nach einem bauchigen Kochtopf.

Wann tragen?

Aufgesetzte Taschen machen ein Sakko informeller. Sie passen zu Kombinationssakkos, die mit Jeans, Chinos oder Flanellhosen getragen werden, und zu Sommersakkos aus Leinen, Baumwolle oder Seide. Auch an Blazern in Marineblau mit Metallknöpfen sind sie klassisch.

Am dunklen Business-Anzug sind aufgesetzte Taschen ungewöhnlich, aber nicht falsch, sofern das Umfeld etwas Spielraum lässt. Ein Anzug aus braunem Flanell oder beigem Leinen mit Patch Pockets wirkt entspannt und eignet sich gut für kreative Berufe und Sommerhochzeiten. Am Smoking haben aufgesetzte Taschen nichts zu suchen. Faustregel: Je rauer und matter der Stoff, desto besser passt die aufgesetzte Tasche.

Praktische Vor- und Nachteile

Aufgesetzte Taschen sind geräumig und leicht zugänglich. Da sie nicht in den Stoff eingeschnitten werden, bleibt das Vorderteil unversehrt, was bei sehr leichten oder ungefütterten Sakkos ein Vorteil ist: Eine eingeschnittene Tasche bräuchte dort einen sichtbaren Taschenbeutel im Innern.

Der Nachteil ist, dass sich jede Ausbeulung sofort abzeichnet. Ein Telefon oder Portemonnaie zieht die Tasche nach unten und dehnt mit der Zeit die obere Kante. Wer aufgesetzte Taschen wählt, sollte deshalb schwere Gegenstände in der Innentasche oder in einer Tasche tragen. Leichte Dinge wie Sonnenbrille oder Einstecktuch schaden nicht und passen zum lässigen Charakter.

Die aufgesetzte Tasche beim Massanzug

Im Konfigurator «Styles & Options» von The Sartorialist gibt es aufgesetzte Hüfttaschen mit aufgesetzter Brusttasche oder mit Barchetta-Brusttasche, ausserdem Varianten mit aufgesetzter Ticket-Tasche und die Safari-Ausführung mit Pattenverschluss. Dazu passen ein halb gefüttertes oder ungefüttertes Sakko und eine weiche Schulter.

Bei karierten oder gestreiften Stoffen muss der Zuschnitt das Muster der Tasche exakt auf das Muster des Vorderteils legen, sonst entsteht ein deutlicher Versatz. Bei grossen Karos wie Glencheck ist dieses Rapportieren besonders aufwendig, gehört beim Massanzug aber selbstverständlich dazu. Das Ergebnis: Die Tasche verschmilzt optisch mit dem Sakko und ist nur an ihrer Kontur erkennbar.

Häufige Fragen zu «Aufgesetzte Tasche»

Sind aufgesetzte Taschen für einen Business-Anzug geeignet?

In konservativen Branchen eher nicht, weil sie den Anzug lässiger wirken lassen. In kreativen Umfeldern oder an Anzügen aus Flanell und Leinen sind sie dagegen gut tragbar.

Warum sind aufgesetzte Taschen unten abgerundet?

Abgerundete Ecken lassen sich sauberer nähen, sammeln weniger Staub und Fusseln und wirken weicher. Eckige Taschen sind möglich, erinnern aber eher an Uniformen und Arbeitskleidung.

Was ist ein Safari-Sakko?

Ein Safari-Sakko hat aufgesetzte Taschen mit Kellerfalte und Pattenverschluss, oft auch auf der Brust. Es stammt von Tropen- und Expeditionskleidung und wirkt besonders sportlich.

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