Leinen
Auch: Linen · Lino · Leinenstoff · Flachs
Leinen ist ein Gewebe aus den Fasern der Flachspflanze. Es ist kühl, sehr atmungsaktiv und fest, knittert aber stark. Für Sommeranzüge und Sakkos wird Leinen pur oder in Mischung mit Wolle, Seide oder Baumwolle verwendet.

Herkunft der Faser
Flachs gehört zu den ältesten Kulturpflanzen; Leinengewebe sind seit Jahrtausenden belegt, etwa aus dem alten Ägypten. Heute stammt ein grosser Teil des hochwertigen Faserflachses aus der Küstenregion zwischen der Normandie, Belgien und den Niederlanden, wo das feuchte, gemässigte Klima lange, feine Fasern begünstigt.
Die Fasern sitzen im Stängel. Nach dem Raufen bleibt der Flachs einige Wochen auf dem Feld liegen, bis Tau und Mikroorganismen die Fasern vom holzigen Kern lösen, die sogenannte Tauröste. Danach wird er gebrochen, geschwungen und gehechelt, bis die langen Fasern übrig bleiben, die zu Garn versponnen werden.
Eigenschaften
Leinenfasern sind glatt, lang und kaum elastisch. Daraus ergeben sich Vorzüge und Schwächen zugleich. Der Stoff liegt wenig am Körper an, nimmt viel Feuchtigkeit auf und gibt sie schnell wieder ab, deshalb fühlt er sich auch bei Hitze kühl an. Gleichzeitig springt eine Falte nicht zurück: Leinen knittert sichtbar und schnell.
Mit jedem Tragen und Waschen wird Leinen weicher. Typisch ist die leicht unregelmässige Oberfläche mit kleinen Verdickungen im Garn. Für Sakkos und Anzüge liegen die Gewichte meist zwischen 250 und 350 g/m. Leichtere Qualitäten verlieren schnell die Form und sind eher für Hemden geeignet.
Reines Leinen oder Mischung?
Reines Leinen hat den natürlichsten Look und den Knitter, den viele im Sommer bewusst wollen. Wer weniger Falten möchte, wählt eine Mischung. Wolle-Seide-Leinen ist knitterärmer, fällt geschmeidiger und hat einen leichten Schimmer. Leinen mit Baumwolle ist etwas fester und unkompliziert in der Pflege.
Mischungen mit Wolle halten ausserdem die Bügelfalte der Hose besser. Für einen Hochzeitsanzug im Juli, der zehn Stunden oder länger getragen und auf vielen Fotos zu sehen ist, ist eine Mischung deshalb oft die bessere Wahl als reines Leinen. Für ein Sommersakko zur Freizeit spricht dagegen viel für das Original.
Leinen beim Massanzug und Pflege
Leinen passt zu einer weichen, wenig gepolsterten Verarbeitung: leichte Schulter, teilweises oder gar kein Futter, aufgesetzte Taschen. Die Masse sollten nicht zu knapp gewählt werden, denn enge Stellen werfen in Leinen schnell Querfalten. Typische Farben sind Sand, Hellbeige, Hellblau, Olivgrün und gebrochenes Weiss.
Zur Pflege: Sakko nach dem Tragen sofort aufhängen und mit Dampf glätten. Ein gefüttertes Sakko gehört in die chemische Reinigung, nicht in die Waschmaschine, weil Einlage und Futter anders schrumpfen als der Oberstoff. Leichte Knitter an Ellbogen und Hosenbeinen sind bei Leinen normal und kein Mangel.
Häufige Fragen zu «Leinen»
Wie verhindere ich, dass Leinen knittert?
Ganz verhindern lässt es sich nicht, der Knitter gehört zum Charakter von Leinen. Mischungen mit Wolle oder Seide knittern deutlich weniger. Leinensakkos nach dem Tragen sofort aufhängen und Falten mit Dampf glätten.
Ist ein Leinenanzug für das Büro geeignet?
Für formelle Termine wirkt reines Leinen meist zu leger. In dunklen Farben wie Marine oder als Mischung mit Wolle kann ein Leinenanzug im Sommer auch im Büro passen. Für Banken und Verhandlungen ist ein leichtes Kammgarn die sicherere Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen Leinen und Baumwolle?
Leinen stammt aus dem Stängel der Flachspflanze, Baumwolle aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze. Leinen ist kühler, fester und knittert stärker, Baumwolle ist weicher und gleichmässiger. Für Sommeranzüge werden beide auch gemischt.






