Mohair
Auch: Kid Mohair · Wolle-Mohair · Mohairstoff
Mohair ist das Haar der Angoraziege. Im Anzugstoff wird es meist mit feiner Schurwolle gemischt und ergibt einen leicht glänzenden, kühlen und sehr knitterresistenten Stoff. Wolle-Mohair eignet sich besonders für Sommeranzüge, Hochzeiten und Smokings.

Herkunft der Faser
Die Angoraziege stammt ursprünglich aus der Gegend um Ankara in Anatolien, dem früheren Angora. Heute wird der grösste Teil des weltweiten Mohairs in Südafrika gewonnen, vor allem in der Provinz Ostkap; weitere Herkunftsländer sind die USA mit Texas, Lesotho, Argentinien und die Türkei.
Wichtig ist die Abgrenzung: Angorawolle stammt vom Angorakaninchen, Mohair von der Angoraziege. Die Ziegen werden in der Regel zweimal im Jahr geschoren. Das Haar junger Tiere, Kid Mohair genannt, ist am feinsten und weichsten und wird für die besten Anzugstoffe verwendet. Haar älterer Tiere ist dicker und eher für Strick, Decken und Polsterstoffe gedacht.
Eigenschaften im Anzugstoff
Mohairfasern sind glatt, lang und haben nur flache Schuppen. Dadurch reflektieren sie Licht und geben dem Stoff einen dezenten Glanz. Sie sind sehr elastisch: Falten springen nach dem Aufhängen schnell zurück, weshalb Mohairanzüge auch nach langen Tagen glatt aussehen.
In offener Webart fühlt sich ein Mohairstoff trocken und kühl an, liegt kaum am Körper an und leitet Feuchtigkeit gut ab. Der Griff ist fester und etwas knisternd, also deutlich anders als bei weichem Kaschmir. Reines Mohair wäre für Anzüge zu steif, deshalb verwenden Webereien fast immer Mischungen mit feiner Wolle. Häufig ist Mohair dabei im Schuss eingesetzt, die Wolle in der Kette.
Wann trägt man Mohair?
Mohairanzüge haben zwei Einsatzgebiete. Im Sommer sorgen die offene Webart und die Knitterresistenz dafür, dass ein Anzug auch bei 28 Grad und nach einer Zugfahrt frisch aussieht; Gewichte um 230 bis 270 g/m sind dafür üblich.
Am Abend fängt der Glanz das Licht schön ein. Darum sind Wolle-Mohair-Mischungen für Smokings und dunkle Abendanzüge in Mitternachtsblau oder Schwarz beliebt. Berühmt wurde der Stoff in den 1960er Jahren durch die schimmernden «Tonic»-Anzüge, bei denen Kette und Schuss in unterschiedlichen Farben gewebt sind und die je nach Licht die Farbe zu wechseln scheinen. Im Herbst und Winter ist Mohair weniger gefragt, weil es kaum wärmt.
Mohair beim Massanzug
Wegen des festeren Griffs fällt Mohair weniger weich als ein feines Kammgarn. Ein Massanzug kann das ausgleichen: Die Full-Canvas-Einlage, bei The Sartorialist Standard, modelliert die Brust, und genaue Masse verhindern, dass der Stoff an Taille oder Rücken absteht.
Für Smokings kombiniert man Mohair gern mit Revers aus Satin oder Grosgrain und einem passenden Galon an der Hose. Für Sommeranzüge empfiehlt sich ein teilweise gefüttertes oder ungefüttertes Sakko, damit die Luftigkeit des Stoffs erhalten bleibt. Im Atelier an der Kuttelgasse 7 in Zürich lässt sich der Unterschied zwischen reiner Wolle und Wolle-Mohair am Stoffmuster direkt erfühlen.
Pflege von Mohair
Mohair ist pflegeleicht. Nach dem Tragen auf einen breiten Bügel hängen, über Nacht hängen sich die meisten Falten von selbst aus. Staub mit einer weichen Kleiderbürste entfernen. Beim Bügeln nur mittlere Temperatur und immer ein Tuch dazwischen verwenden, weil die glänzende Faser bei Hitze und Druck schnell speckige Stellen bekommt.
Wie jede tierische Faser ist Mohair für Motten interessant. Anzüge sauber, trocken und luftig lagern, am besten in einem atmungsaktiven Kleidersack mit Zedernholz. Chemische Reinigung nur bei Bedarf, denn der Glanz und die Sprungkraft der Faser bleiben am längsten erhalten, wenn der Stoff möglichst selten gereinigt wird.
Häufige Fragen zu «Mohair»
Ist Mohair dasselbe wie Angora?
Nein. Mohair ist das Haar der Angoraziege, Angorawolle stammt vom Angorakaninchen. Für Anzugstoffe wird ausschliesslich Mohair verwendet, meist in Mischung mit Schurwolle.
Ist Mohair im Sommer zu warm?
Nein, im Gegenteil. In offener Webart gehört eine Wolle-Mohair-Mischung zu den kühlsten Anzugstoffen, weil sie kaum am Körper anliegt und Feuchtigkeit gut ableitet. Entscheidend ist ein leichtes Gewicht um 230 bis 270 g/m.
Kratzt ein Anzug aus Mohair?
Ein Anzugstoff mit Kid Mohair hat einen trockenen, etwas festeren Griff, kratzt aber kaum. Strickwaren aus Mohair mit abstehenden Härchen fühlen sich ganz anders an als ein glatt gewebter Anzugstoff. Futter an Sakko und Hose verhindert ohnehin den meisten Hautkontakt.






