Flanell
Auch: Flannel · Wollflanell · Kammgarnflanell
Flanell ist ein weicher Wollstoff, dessen Oberfläche nach dem Weben gewalkt und aufgeraut wird. Dadurch entsteht ein leicht flauschiger, matter Griff, der das Webbild verdeckt. Flanell wärmt gut und ist der klassische Stoff für Herbst- und Winteranzüge.

Herkunft
Flanell stammt vermutlich aus Wales; als Wurzel des Namens gilt das walisische Wort «gwlanen» für Wollstoff. Im 19. Jahrhundert wurde grauer Flanell in England zum Stoff für Freizeit- und Sporthosen, etwa beim Cricket. Ab den 1920er Jahren eroberte er auch den Stadtanzug, und in der Nachkriegszeit galt der graue Flanellanzug als Inbegriff des Büroanzugs.
Baumwollflanell, den man von karierten Hemden und Pyjamas kennt, ist eine spätere Variante mit gleichem Prinzip, aber anderer Faser. Ist bei Anzügen und Hosen von Flanell die Rede, ist immer Wolle gemeint.
Streichgarn- oder Kammgarnflanell
Es gibt zwei grundlegende Arten. Streichgarnflanell wird aus kardierten, kürzeren Fasern gesponnen, kräftig gewalkt und geraut. Er ist voluminös, sehr weich, wirkt fast filzig und wärmt am besten, ist aber weniger formstabil und bildet an den Knien schneller Beulen.
Kammgarnflanell basiert auf gekämmtem Garn und wird nur leicht geraut. Er ist glatter, hält die Bügelfalte besser und eignet sich deshalb für Anzüge, die häufig getragen werden. Aus der Nähe ist bei ihm das Webbild oft noch leicht zu erkennen. Die Gewichte liegen bei beiden Arten meist zwischen 280 und 400 g/m; reine Hosenflanelle für den Winter auch darüber.
Wann trägt man Flanell?
Flanell ist ein Stoff für die kühlen Monate, in der Schweiz etwa von Oktober bis März. Die geraute Oberfläche schliesst Luft ein und wärmt spürbar mehr als ein glattes Kammgarn gleichen Gewichts.
Flanell wirkt etwas weniger formell als glattes Tuch und eignet sich daher für Büros mit lockerem Dresscode, für Kombinationen aus Sakko und Hose und für Wochenenden. Ein dunkelgrauer oder mittelgrauer Flanellanzug lässt sich aber auch im Geschäftsalltag ohne Weiteres tragen, besonders mit weissem Hemd und dunkler Krawatte. Für Sommerhochzeiten oder Black Tie ist Flanell nicht geeignet.
Flanell beim Massanzug
Weil Flanell weich fällt, kommt der Schnitt eines Massanzugs besonders zur Geltung. Eine weiche Schulter und eine leicht taillierte Silhouette sehen in Flanell natürlich aus. Beliebt sind Kreidestreifen auf grauem oder marineblauem Flanell sowie Hosen mit Bundfalte und Aufschlag, die das Volumen des Stoffs tragen.
Flanell verlangt etwas Pflege: An Ellbogen und Gesäss entstehen bei starker Reibung leicht Glanzstellen. Nach dem Tragen gründlich ausbürsten, damit der Flor wieder aufsteht, und nur mit feuchtem Tuch und wenig Druck bügeln. Flanellhosen profitieren besonders von einem Tag Pause, weil sich Kniebeulen über Nacht aushängen.
Häufige Fragen zu «Flanell»
Ist ein Anzug aus Flanell zu warm?
Für Herbst und Winter ist Flanell genau richtig. In stark beheizten Innenräumen kann schwerer Streichgarnflanell allerdings warm werden. Kammgarnflanell um 300 g/m ist ein guter Kompromiss; für den Sommer ist Flanell nicht gedacht.
Was ist der Unterschied zwischen Flanell und Tweed?
Beide sind wärmende Wollstoffe, aber Flanell ist fein, weich und meist einfarbig. Tweed ist gröber, fester, oft mehrfarbig meliert oder gemustert und deutlich schwerer. Flanell passt deshalb auch in die Stadt und ins Büro, Tweed eher zu Land und Freizeit.
Knittert Flanell?
Flanell knittert wenig, weil die geraute Oberfläche kleine Falten kaschiert. An Knien und Ellbogen bilden sich aber leichter Beulen. Mit einem Tag Pause auf dem Bügel verschwinden sie meist von selbst.





