Fischgrat
Auch: Herringbone · Fischgrätmuster · Spina di pesce
Fischgrat ist ein Webmuster in Köperbindung, bei dem die Diagonale in regelmässigen Abständen die Richtung wechselt. So entsteht ein Zickzackmuster aus V-förmigen Streifen, das an das Skelett eines Fisches erinnert. Auf Englisch heisst es «Herringbone», auf Italienisch «spina di pesce».

Wie das Muster entsteht
Grundlage ist die Köperbindung, bei der jeder Schussfaden um einen Kettfaden versetzt bindet, wodurch feine Diagonalen entstehen, die sogenannten Grate. Beim Fischgrat wird die Richtung dieser Diagonale nach einer festgelegten Anzahl Fäden umgekehrt.
An der Umkehrstelle sind die Grate leicht gegeneinander versetzt, es entsteht ein sichtbarer Bruch. Das unterscheidet Fischgrat vom Chevron, bei dem sich die Diagonalen ohne Versatz zu einer Spitze treffen. Die Breite der Streifen reicht von wenigen Millimetern, die aus der Distanz fast wie ein Uni-Stoff wirken, bis zu mehreren Zentimetern bei kräftigen Mantel- und Tweedstoffen.
Herkunft
Das Prinzip ist sehr alt. Gewebe mit Fischgratmuster sind aus vor- und frühgeschichtlichen Funden belegt, und die Römer verlegten Ziegel und Pflastersteine nach demselben Prinzip, dem «opus spicatum». In der Herrenmode wurde Fischgrat im 19. Jahrhundert mit den britischen Tweeds populär, als Landkleidung für Jagd und Landsitz.
Bis heute gilt es als Kennzeichen klassischer Landgarderobe, ist aber längst in feinen Kammgarnen, Flanellen und Mantelstoffen für die Stadt angekommen. Auch bei Hemden und Krawatten wird es verwendet, dort in sehr kleinem Massstab als dezente Struktur.
Wann und wie tragen?
Fischgrat wirkt durch seine Struktur lebendiger als ein glatter Uni-Stoff, bleibt aber ruhig, weil es meist Ton in Ton oder in zwei nahe verwandten Farben gewebt ist. Feiner Fischgrat in Grau oder Marine ist im Büro problemlos tragbar. Grober Fischgrat in Tweed oder Flanell ist eher ein Stoff für Herbst, Winter und Wochenende.
Zum Kombinieren gilt: Das Muster bringt bereits Textur. Ruhige Hemden in Weiss oder Hellblau und einfarbige oder grosszügig gemusterte Krawatten passen am besten. Ein Fischgratsakko verträgt sich gut mit glatten Hosen aus Flanell, Baumwolle oder Cord.
Fischgrat beim Massanzug
Bei breiteren Fischgratstreifen achtet der Schneider darauf, dass die Streifen an den Vorderteilen symmetrisch liegen und an Taschen und Kragen nicht unruhig abbrechen. Die Mitte eines V sollte idealerweise in der vorderen Mitte und in der Rückennaht sitzen.
Fischgrat verzeiht durch seine Struktur kleine Sitzfalten und eignet sich daher gut für Sakkos und Hosen, die oft getragen werden. In der Beratung lohnt es sich, Stoffmuster mit verschiedener Streifenbreite nebeneinanderzulegen und aus zwei bis drei Metern Abstand zu betrachten, denn erst dann zeigt sich, ob das Muster ruhig wie ein Uni oder deutlich sichtbar wirkt.
Häufige Fragen zu «Fischgrat»
Was ist der Unterschied zwischen Fischgrat und Chevron?
Beide sind Zickzackmuster. Beim Fischgrat sind die Diagonalen an der Umkehrstelle versetzt, beim Chevron treffen sie sich exakt in einer Spitze. Im Stoffhandel werden die Begriffe allerdings oft vermischt.
Ist Fischgrat für Business-Anzüge geeignet?
Ja, in feiner Ausführung und dunklen Farben wie Grau oder Marine. Aus der Distanz wirkt feiner Fischgrat fast einfarbig. Grober Fischgrat passt besser zu Sakkos und informellen Anlässen.
Welche Krawatte passt zu einem Fischgratanzug?
Am besten eine Krawatte mit anderer Textur oder deutlich anderem Musterstab, etwa eine einfarbige Grenadine- oder Strickkrawatte. Ein zweites feines Zickzackmuster würde unruhig wirken.






