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Glossar · Grundlagen

Konfektionsanzug

Auch: Anzug von der Stange · Ready to Wear · Prêt-à-porter

Ein Konfektionsanzug ist ein in Serie gefertigter Anzug in genormten Grössen, den man fertig im Geschäft kauft («von der Stange»). Er basiert auf Durchschnittsmassen und wird bei Bedarf nachträglich gekürzt oder enger gemacht. Stoff und Details sind vom Hersteller vorgegeben.

Braunes Sakko mit blauem Hemd und gestreifter Krawatte auf einer Schneiderbüste vor Stoffballen im Showroom

So funktionieren Konfektionsgrössen

In der Schweiz gelten wie in Deutschland meist die deutschen Herrengrössen. Die Normalgrössen von 44 bis 62 entsprechen ungefähr dem halben Brustumfang in Zentimetern: Grösse 50 passt für rund 100 cm Brustumfang. Daneben gibt es Untersetzte Grössen (zum Beispiel 25 statt 50) für kleinere, kräftigere Männer und Schlanke Grössen (zum Beispiel 98 statt 50) für grosse, schmale Männer.

Jede Grösse legt ein festes Verhältnis zwischen Brust, Taille, Ärmellänge und Rückenlänge fest. Weicht ein Körper an einer dieser Stellen ab, entsteht ein Kompromiss. Wer etwa Brustumfang 104 und Taille 86 hat, findet selten eine Grösse, die beides abdeckt, weil die Konfektion von einer Differenz von etwa 12 cm ausgeht.

Was sich ändern lässt und was nicht

Einfach anzupassen sind Hosenlänge, Hosenbund innerhalb der Nahtzugabe, Ärmellänge bei geschlossenem Ärmelschlitz und die Taille des Sakkos über die Seiten- und Rückennähte. Diese Änderungen kosten in der Regel wenig und verbessern den Sitz deutlich.

Schwierig bis unmöglich sind dagegen Änderungen an der Schulter, an der Sakkolänge und an der Kragenpartie. Ist die Schulter zu breit, rutscht die Naht über das Schultergelenk; ist sie zu schmal, spannt das Sakko am Oberarm. Eine korrigierte Schulter erfordert, den Ärmel komplett auszutrennen und neu einzusetzen, was teuer ist und nicht immer gelingt. Deshalb gilt beim Kauf: Erst die Schulter muss passen, alles andere kommt danach.

Verarbeitung und Einlagen

Die meisten Konfektionsanzüge im unteren und mittleren Preissegment sind «fused» verarbeitet. Das heisst, eine thermisch aktivierte Klebeeinlage wird auf die Rückseite des Oberstoffs gepresst. Das ist günstig und formstabil, macht das Sakko aber steifer. Nach chemischen Reinigungen oder bei Feuchtigkeit kann sich der Kleber stellenweise lösen, sichtbar als Blasen auf der Brust.

Höherpreisige Konfektion arbeitet mit Half Canvas, also einer vernähten Einlage im Brust- und Reversbereich. Full Canvas ist in der Konfektion selten. Wenn Sie wissen möchten, wie ein Sakko verarbeitet ist, kneifen Sie unterhalb des untersten Knopflochs Ober- und Unterstoff leicht auseinander: Spüren Sie eine dritte, frei bewegliche Lage, ist dort eine vernähte Einlage.

Konfektion oder Massanzug?

Ein Konfektionsanzug ist sinnvoll, wenn Sie den Anzug sofort brauchen, ihn selten tragen und Ihre Proportionen gut in eine Standardgrösse passen. Dann ist er mit wenigen Änderungen eine pragmatische Lösung.

Sobald jedoch mehrere Änderungen nötig sind, verschiebt sich die Rechnung. Die Kosten für Kürzen, Engermachen und Ärmelkorrektur kommen zum Kaufpreis hinzu, und das Ergebnis bleibt ein Kompromiss. Ein Massanzug wird dagegen von Anfang an nach Ihren Massen gebaut, Sie wählen Stoff und Details selbst. Bei The Sartorialist beginnen Massanzüge bei CHF 1’690, Full Canvas verarbeitet und in 20 Arbeitstagen abholbereit. Wer regelmässig Anzug trägt, fährt damit oft langlebiger.

Häufige Fragen zu «Konfektionsanzug»

Was bedeutet Konfektionsgrösse 50 beim Anzug?

Grösse 50 entspricht in der deutschen und Schweizer Grössentabelle einem Brustumfang von etwa 100 cm bei durchschnittlicher Körpergrösse. Die Zahl ist ungefähr der halbe Brustumfang in Zentimetern.

Kann man einen Konfektionsanzug an den Schultern ändern?

Nur sehr eingeschränkt. Dafür muss der Ärmel ausgetrennt und die Schulter neu aufgebaut werden, was aufwendig ist und oft nicht sauber gelingt. Deshalb sollte die Schulter beim Kauf bereits passen.

Woran erkenne ich, ob ein Anzug geklebt ist?

Ziehen Sie den Stoff auf Brusthöhe leicht auseinander. Liegt eine lose dritte Lage zwischen Oberstoff und Futter, ist die Einlage vernäht. Fühlt sich der Oberstoff fest mit der Einlage verbunden an, ist er geklebt.

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