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Glossar · Sakko

Paspeltasche

Auch: Leistentasche · Jetted Pocket · Tasca a filetto

Eine Paspeltasche ist eine eingeschnittene Tasche ohne Klappe, deren Öffnung oben und unten von je einem schmalen, eingefassten Stoffstreifen, der Paspel, gesäumt wird. Sie ist die schlichteste und formellste Taschenform am Sakko und gehört standardmässig an den Smoking.

Zeichnung eines Sakkos mit geraden Paspeltaschen ohne Klappe und Barchetta-Brusttasche

Aufbau und Masse

Für eine Paspeltasche schneidet der Schneider eine gerade Öffnung in das Vorderteil. Oben und unten wird je ein Stoffstreifen eingelegt, umgeschlagen und so festgenäht, dass zwei schmale Lippen entstehen. Jede Paspel ist meist nur 4 bis 6 mm breit, zusammen ergeben sie eine feine Linie von rund einem Zentimeter. An den Enden halten kleine Riegel die Öffnung zusammen.

Dahinter liegt der Taschenbeutel. Die Öffnung misst wie bei der Pattentasche etwa 15 bis 17 cm. Da keine Klappe den Einschnitt verdeckt, muss jede Naht sitzen: Ungleich breite Paspeln, gewellte Ecken oder ein klaffender Schlitz sind sofort sichtbar. Die Paspeltasche gilt deshalb trotz ihrer Schlichtheit als anspruchsvoll.

Herkunft und Bedeutung

Die Paspeltasche ist die älteste der drei Grundformen an Herrenjacken. Sie stammt aus der formellen Abend- und Gesellschaftskleidung, bei der Taschen möglichst unsichtbar sein sollten. Am Frack und am Gehrock waren Taschen oft ganz in den Schössen versteckt; als die kürzere Abendjacke, der Smoking, aufkam, erhielt sie schlichte Paspeltaschen.

Diese Zuordnung gilt bis heute: Am Smoking sind Paspeltaschen der Standard, häufig mit Paspeln aus demselben Seidenbelag wie das Revers. Am Tagesanzug sind sie seltener, wirken dort aber besonders aufgeräumt. Auch an Westen und an vielen Hosengesässtaschen findet man Paspeltaschen, weil sie flach liegen und kaum auftragen.

Paspeltasche am Tagesanzug

Am Business-Anzug wirkt die Paspeltasche minimalistisch und modern. Weil die Klappe fehlt, bleibt die Front ruhig, und der Blick konzentriert sich auf Schnitt und Stoff. Das ist besonders bei einfarbigen, glatten Kammgarnen in Marine, Schwarz oder Anthrazit wirkungsvoll und bei Anzügen, die vor allem zu Abendveranstaltungen getragen werden.

Der Nachteil: Ohne Klappe ist der Tascheninhalt schlechter geschützt, und schon kleine Gegenstände zeichnen sich ab. Die Paspeltasche eignet sich daher für Männer, die ihre Taschen kaum benutzen. Wer regelmässig etwas einsteckt, ist mit Pattentaschen besser bedient, weil die Patte leichte Ausbeulungen kaschiert und die Öffnung schont.

Gerade oder schräg

Neben der waagrechten gibt es auch die schräg gestellte Paspeltasche. Sie verbindet die Eleganz der klappenlosen Tasche mit der streckenden Wirkung der Schrägstellung, die von der Reitjacke stammt. Das Sakko wirkt dadurch taillierter und etwas dynamischer.

Schräge Paspeltaschen passen gut zu italienisch geprägten Sakkos und zu einer Barchetta-Brusttasche, deren Kurve die Bewegung aufnimmt. Am Smoking bleibt man besser bei geraden Taschen, da Schrägstellung dort als sportliches Element gilt. Wichtig ist bei beiden Varianten, dass Brusttasche und Hüfttaschen zusammenpassen: Zu Paspeltaschen gehört eine Leistentasche auf der Brust, keine aufgesetzte.

Die Paspeltasche beim Massanzug

Im Konfigurator «Styles & Options» von The Sartorialist sind Paspeltaschen gerade oder schräg gestellt wählbar, jeweils kombiniert mit einer Barchetta-Brusttasche. Für den Smoking gibt es im Bereich «Black Tie» eigene Optionen, etwa den Reversbelag aus Satin oder Ripsseide, auf den sich die Taschen abstimmen lassen.

Bei gemusterten Stoffen achtet der Zuschnitt darauf, dass Streifen oder Karos über den Einschnitt hinweg korrekt weiterlaufen. Da alle Anzüge mit Full Canvas aufgebaut sind, bleibt die Vorderpartie stabil, und die Paspeln verziehen sich auch nach häufigem Tragen nicht. Wer unsicher ist, ob Paspel- oder Pattentaschen besser zum eigenen Alltag passen, klärt das am besten in der Beratung.

Häufige Fragen zu «Paspeltasche»

Warum hat ein Smoking Paspeltaschen?

Paspeltaschen gelten als die formellste Taschenform, weil sie keine Klappe haben und kaum auffallen. Klappen stammen aus der Jagd- und Reitkleidung und passen deshalb nicht zur Abendgarderobe.

Was ist eine Paspel?

Eine Paspel ist ein schmaler, eingefasster Stoffstreifen, der eine Öffnung oder Kante säumt. Bei der Paspeltasche bilden zwei Paspeln die obere und untere Lippe der Taschenöffnung.

Kann man aus einer Pattentasche eine Paspeltasche machen?

Optisch ja: Die Patte lässt sich in die Tasche stecken. Dauerhaft entfernen kann ein Schneider die Patte meist auch, weil sich darunter bereits eine Paspeltasche befindet.

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