Samtsakko
Auch: Samtjacket · Velvet Jacket · Samtblazer
Ein Samtsakko ist ein Sakko aus Samt, einem Gewebe mit kurzem, dichtem Flor, der Licht schluckt und einen tiefen Farbglanz erzeugt. Es gilt als festliches Abendsakko, besonders in der Herbst- und Weihnachtszeit. Typische Farben sind Mitternachtsblau, Bordeaux, Flaschengrün und Schwarz.

Vom Rauchzimmer zur Abendjacke
Das Samtsakko hat seinen Ursprung im viktorianischen Smoking Jacket. Herren zogen sich nach dem Abendessen ins Rauchzimmer zurück und tauschten den Frack gegen eine bequeme Hausjacke aus Samt, die den Tabakrauch aufnehmen sollte, damit die Abendkleidung nicht danach roch. Diese Jacken hatten oft einen Schalkragen, Brandenburgs genannte Knebelverschlüsse und Paspeln aus Seide.
Aus der Hausjacke entwickelten sich im 20. Jahrhundert zwei Linien: der Smoking als offizielle Abendkleidung und das Samtsakko als festliche, aber weniger formelle Alternative. Heute wird das Samtsakko auf Weihnachtsfeiern, Silvesterpartys, Theaterbesuchen und als Gastgeberjacke getragen, bei Black-Tie-Anlässen als farbige Smokingjacke.
Stoff: Baumwollsamt, Seidensamt, Wollsamt
Samt entsteht, indem beim Weben eine zusätzliche Fadenlage als Schlingen über das Grundgewebe geführt und dann aufgeschnitten wird. Es bleibt ein dichter, gleichmässiger Flor von etwa 1 bis 3 Millimeter Höhe. Anders als beim Cord läuft dieser Flor nicht in Rippen, sondern bedeckt die gesamte Fläche.
Für Sakkos wird meist Baumwollsamt verwendet, mit Gewichten zwischen etwa 300 und 400 g/m. Er ist robust und hat einen matten, warmen Glanz. Seidensamt oder Mischungen mit Viskose glänzen stärker und fallen weicher, sind aber empfindlicher. Wollsamt ist seltener und wirkt zurückhaltender. Für ein Samtsakko, das mehrere Winter halten soll, ist ein dicht gewebter Baumwollsamt die verlässlichste Wahl.
Schnitt und Details
Klassisch ist der Einreiher mit einem Knopf und Schalkragen, oft mit seidenbelegtem Kragen. Steigende Revers sind ebenso passend, ein Fallrevers macht das Samtsakko etwas lässiger und tagestauglicher. Zweireiher aus Samt wirken sehr opulent und sind seltener.
Taschen werden eher paspeliert oder mit Patten gearbeitet, aufgesetzte Taschen passen zu einem Samtsakko, das tagsüber getragen werden soll. Die Knöpfe sind aus Horn, mit Stoff bezogen oder aus Seide. Weil Samt stark aufträgt, ist eine weiche, wenig gepolsterte Schulter oft die harmonischere Wahl. Bei der Massanfertigung ist der Flor zu beachten: Alle Teile müssen in derselben Florrichtung zugeschnitten werden, sonst wirken Ärmel und Vorderteile unterschiedlich farbig.
Pflege
Samt verträgt kein Bügeleisen, das direkt aufgesetzt wird, denn der Flor wird dabei platt gedrückt und zeigt bleibende Glanzstellen. Falten verschwinden stattdessen mit Dampf: das Sakko in ein dampfendes Badezimmer hängen oder einen Dampfglätter aus einigen Zentimetern Abstand verwenden.
Ausgebürstet wird mit einer weichen Bürste in Florrichtung, nach dem Tragen ebenso. Sitz- und Druckstellen an den Ellbogen richten sich mit Dampf meist wieder auf. Das Sakko hängt auf einem breiten Bügel mit Abstand zu anderen Kleidungsstücken, damit der Flor nicht gequetscht wird. Eine chemische Reinigung sollte nur bei Flecken und nur durch eine Reinigung erfolgen, die Erfahrung mit Samt hat.
Häufige Fragen zu «Samtsakko»
Wann trägt man ein Samtsakko?
Vor allem am Abend und in der kalten Jahreszeit, etwa an Weihnachtsfeiern, an Silvester, im Theater oder als Gastgeber. Bei Black-Tie-Anlässen kann es als farbige Smokingjacke getragen werden.
Was ist der Unterschied zwischen Samt und Cord?
Beide haben einen aufgeschnittenen Flor. Beim Samt bedeckt er die ganze Fläche gleichmässig, beim Cord ist er in Rippen angeordnet. Samt wirkt dadurch eleganter und abendlicher, Cord sportlicher.
Kann man ein Samtsakko bügeln?
Nicht direkt mit dem Bügeleisen, da der Flor plattgedrückt wird. Falten lassen sich mit Dampf entfernen, etwa mit einem Dampfglätter aus einigen Zentimetern Abstand.






