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Glossar · Stoffe

Kaschmir

Auch: Cashmere · Kaschmirwolle · Cashmere-Wolle

Kaschmir ist das feine Unterhaar der Kaschmirziege. Die Fasern sind im Durchschnitt höchstens 19 Mikrometer dick, weshalb Kaschmir aussergewöhnlich weich ist und bei geringem Gewicht gut wärmt. In der Herrenmode wird es für Strick, Mäntel, Sakkos und als Beimischung in Anzugstoffen verwendet.

Mann im dunkelblauen, fein karierten Zweireiher mit weissem Einstecktuch vor dunklem Hintergrund

Herkunft und Gewinnung

Kaschmirziegen leben in den Hochebenen Zentralasiens, vor allem in der Inneren Mongolei, der Mongolei, in Afghanistan und im Iran, wo die Winter sehr kalt sind. Zum Schutz bilden die Tiere unter dem groben Deckhaar ein dichtes, feines Unterfell.

Im Frühling, beim natürlichen Fellwechsel, wird dieses Unterhaar ausgekämmt oder geschoren und anschliessend in einem eigenen Arbeitsschritt vom groben Haar getrennt, dem Entgrannen. Pro Ziege bleiben danach oft nur rund 150 Gramm feiner Faser im Jahr übrig. Für einen Pullover braucht es also die Ausbeute mehrerer Tiere. Der Name geht auf die Region Kaschmir zurück, über die der Handel mit feinen Wollschals im 18. und 19. Jahrhundert nach Europa kam.

Was gutes Kaschmir ausmacht

Die Qualität hängt vor allem von drei Faktoren ab: Feinheit, Faserlänge und Farbe. Je dünner die Faser, desto weicher der Griff; die besten Qualitäten liegen um 14 bis 15,5 Mikrometer. Lange Fasern ergeben ein glattes, stabiles Garn, das weniger pillt. Kurze Fasern aus billiger Produktion lösen sich schnell und bilden Knötchen. Weisse Rohfaser ist begehrt, weil sie sich ohne starkes Bleichen in jeder Farbe färben lässt.

Ein sehr weicher Griff im Laden ist kein sicheres Zeichen. Manche Ware wird chemisch weichgemacht und verliert diese Weichheit nach den ersten Wäschen. Ein dichtes Gestrick oder Gewebe, das nach dem Dehnen sofort in die Form zurückspringt, ist ein besseres Indiz.

Kaschmir in Anzug und Sakko

Reines Kaschmir ist für einen Alltagsanzug zu empfindlich. Es scheuert an Ellbogen, Taschen und im Schritt schneller durch als Kammgarn und hält die Bügelfalte schlecht. Webereien setzen deshalb für Anzüge meist auf Mischungen, etwa 90 Prozent Wolle und 10 Prozent Kaschmir. Schon dieser Anteil macht den Griff spürbar weicher, ohne die Haltbarkeit stark zu verringern.

Reines Kaschmir oder Mischungen mit Seide eignen sich hervorragend für Sakkos, die man abends oder am Wochenende trägt, sowie für Mäntel. Unter den Stoffpartnern von The Sartorialist ist besonders Loro Piana für Kaschmirstoffe bekannt. In der kostenlosen Beratung lassen sich Wolle-Kaschmir-Mischungen und reine Qualitäten direkt vergleichen.

Kaschmir als Strick

Am häufigsten begegnet man Kaschmir als Strick: Rollkragen, Rundhals, Cardigan oder ein feiner Polo unter dem Sakko. Ein dünner Rollkragenpullover aus Kaschmir unter einem Flanellanzug ersetzt im Winter Hemd und Krawatte und wirkt dennoch elegant.

Die Garnstärke wird in Fäden angegeben. Ein einfädiger Pullover ist sehr fein und passt unter jedes Sakko, zweifädig ist der übliche Allrounder, vier- bis achtfädig ergibt dicken, warmen Strick für Ausflüge und Wochenenden. Unter einem Massanzug sollte der Strick eher fein sein, damit das Sakko an Schultern und Ärmeln nicht spannt. Im Showroom von The Sartorialist gibt es Strick von Gran Sasso, der sich mit Anzügen und Sakkos kombinieren lässt.

Kaschmir richtig pflegen

Kaschmir verlangt Geduld, aber wenig Aufwand. Nach dem Tragen einen Tag lüften. Strick nie auf einen Bügel hängen, sondern gefaltet lagern, damit sich die Schultern nicht ausbeulen. Leichtes Pilling in den ersten Wochen ist normal und lässt sich mit einem Kaschmirkamm entfernen.

Strick von Hand oder im Wollprogramm bei höchstens 30 Grad mit Wollwaschmittel waschen, nicht auswringen und liegend auf einem Tuch trocknen. Sakkos und Mäntel aus Kaschmir nur bürsten und nur bei Bedarf chemisch reinigen lassen. Gegen Motten helfen saubere Lagerung, Zedernholz und regelmässiges Lüften, auch in den Sommermonaten, in denen die Stücke im Schrank liegen.

Häufige Fragen zu «Kaschmir»

Warum ist Kaschmir so teuer?

Pro Ziege fallen jährlich nur wenige hundert Gramm Rohfaser an, nach dem Entgrannen bleibt davon etwa die Hälfte oder weniger. Gewinnung, Sortierung und Verarbeitung sind aufwendig. Die besonders feinen, langen Fasern machen zudem nur einen kleinen Teil der Ernte aus.

Wie erkenne ich gutes Kaschmir?

Achten Sie auf ein dichtes Gestrick oder Gewebe, das nach dem Dehnen sofort zurückspringt. Sehr fusselige, extrem weiche Ware kann auf kurze Fasern oder chemische Weichmacher hinweisen. Seriöse Hersteller geben Zusammensetzung, Herkunft und Garnstärke an.

Lohnt sich ein Anzug aus Kaschmir?

Als Alltagsanzug eher nicht, weil reines Kaschmir schneller verschleisst als Kammgarn. Mischungen aus Wolle und Kaschmir verbinden einen weichen Griff mit guter Haltbarkeit. Reines Kaschmir lohnt sich vor allem für Sakkos und Mäntel, die geschont werden.

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